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In der Weyarner Bücherei fanden wir einen heimeligen Ort, an dem wir einen Film zeigen konnten. Dank an Barbara Stutzmann und Angela Pomersberger für die Unterstützung. Der Film Wege entstehen beim gehen von Sylvia Rothe ist ein Porträt von Anke Hinrichs, die seit ihrer Geburt eine körperliche Beeinträchtigung hat. Unter folgendem Link ist ein Beitrag in unserem Onlinemagazin Kulturvision anlässlich des Internationalen Bergfilmfestivals in Tegernsee über den Film erschienen:
http://www.kulturvision.de/index.php?beitr_id=1673&nav_ka=&id=1058
Leider konnte Anke wegen einer Erkrankung nicht nach Bayern kommen, aber sie schickte mir folgende Einleitung:

Der folgende Film zeigt Ausschnitte meines persönlichen Kampfes um Teilhabe. Während meiner gesamten Schulzeit auf der Regelschule war ich vom Sportunterricht ausgeschlossen. Meinen Bewegungsdrang lebte ich in den Ferien im Allgäu aus- manchmal zum Leidwesen meiner Mutter, die mich auf die Gipfel begleitete. Ausgerechnet beim Alpenverein fand ich die soziale Akzeptanz, die in der Schule nicht da war, und die in anderen Lebensbereichen wie bspw. dem Beruf bis heute oft fehlt.

Es war mir schon immer wichtig, an die scheinbaren Grenzen des Machbaren zu gehen und diese Grenzen immer wieder zu verschieben. Ich profitiere von meinen Aktivitäten im Gebirge bis heute mehr als von irgendeiner Reha- Maßnahme: nicht nur in körperlicher Hinsicht haben sie sehr positiv zu meiner Entwicklung beigetragen, auch psychisch haben sie mich außerordentlich geprägt.

Auch behinderte Personen haben ein Recht darauf, herausgefordert zu werden und etwas zu leisten. Es ist für alle Menschen unwürdig, das Leistungsniveau- z.B. in der Schule- immer weiter abzusenken. Am Ende bleibt dann nur noch fürsorgliche Belagerung!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viel Spaß am Film.

In der lebhaften Diskussion ging es zum einen um den Film. Filmemacher Horst Orlich sagte: „Das ist ein Film, bei dem die Seele eines Menschen sichtbar gemacht wird.“ Es ging aber auch prinzipiell um den Umgang mit behinderten Menschen, um ihre Ausgrenzung einerseits, ihre Teilhabe andererseits.

Anke schrieb hierzu:
In der Diskussion um Inklusion geht es meistens „Über uns- ohne uns“! Teilhabe heißt für mich, einander auf Augenhöhe zu begegnen und auch im Beruf und im Freizeitbereich Menschen mit Handicaps einzubeziehen, anstatt sich nur auf die gemeinsame Beschulung von Kindern schwerpunktmäßig zu konzentrieren. Trotz drei beruflichen Qualifikationen habe ich es bis heute nicht geschafft, finanziell von meinen Eltern unabhängig zu sein. Aus eigener Erfahrung sage ich: Scheitert Teilhabe trotz intensiver Bemühungen immer wieder, so bieten diese Erfahrungen den besten Nährboden für psychische Erkrankungen. Irgendwann sind die Kräfte erschöpft! Je augenscheinlicher jemand behindert ist, desto größer ist manchmal die Akzeptanz in der Bevölkerung und die Bereitschaft, Rücksichten zu nehmen. Wenn dann noch eine psychische Störung dazu kommt, ist die Toleranzschwelle schnell überschritten. Dann wird erwartet, dass sich die Betroffenen an die Norm anpassen und zusammen reißen.

Die Besucher waren sich einig, dass der Film in Schulen gezeigt werden sollte und dass jeder von uns aufgefordert ist, das Seine zur Inklusion behinderter Menschen beizutragen.

Monika Ziegler