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„Spurwechsel-Schreiben“ so heißt das Seminar, das wir vor eineinhalb Jahrene erstmals anboten und das sofort überbucht war. Auch das Wiederholungsseminar fand viele Interessenten, drei stehen schon wieder auf der Waerteliste für eine weitere Wiederholung.

Das zeigt, dass viele Menschen dabei sind, über ihr Leben nachzudenken und eine eingefahrene, nicht zufriedenstellende Spur verlassen möchten. Wohin aber die Weichen gestellt werden sollen, das kann jeder nur für sich selbst herausfinden. Grübeln ist wenig sinnvoll, viel besser sind Reden und Schreiben.

Schreiben ist Selbsterfahrung und Denken auf Papier. Kreative Schreibtechniken liefern die Methoden, um mehr über sich selbst zu erfahren. Zudem helfen gezielte Fragen zum bisherigen Leben, zu Familie, Beziehungen und Ereignissen,. Klarheit zu gewinnen, was das Leben beeinflusst hat.

Was ich kann und was ich wahnsinnig gern tue, muss nicht unbedingt übereinstimmen. Wichtig ist herauszufinden, wo sich diese Fähigkeiten überschneiden. Denn nur, wenn man etwas mit Begeisterung tut, nutzt man auch sein ganzes Potenzial.

Wie ich mich sehe, wie mich ein Fremder sehen würde und wie ich sein möchte, auch das lässt sich herausfinden. Kindheitsträume und was daraus geworden ist, was mich gehindert hat, mein Leben so zu leben, wie ich es mir gewünscht habe, all diese Dinge kamen zum Vorschein.

Und irgendwann sagte ein Teilnehmer: „Also so hart habe ich mir das nicht vorgestellt, ich hatte gehört, bei Euch geht es lustig zu.“ Ja, bei den „normalen“ Schreibseminaren geht es oft wirklich sehr heiter zu, dann nämlich, wenn die Teilnehmer ihre Texte lesen und sich gegenseitig beflügeln. Beim Spurwechsel-Schreiben aber geht es ans Eingemachte, da sollte man sehr ehrlich mit sich sein und natürlich werden die Selbsterfahrungen auch nicht vorgelesen.

Aber lustig wurde es hin und wieder doch, immer dann, wenn es Pausen gab, wenn gemeinsam gegessen, der Tisch gedeckt und abgeräumt wurde und wenn die übereifrige Seminarleiterin ihre Schäfchen zur Eile antrieb.

Das Seminar endete mit einigen hilfreichen Übungen zur Analyse der Ist-Zustandes, zur Analyse der Lebensbalance, zum Auffinden, wofür wir unsere Kräfte vergeuden und zum Auflisten der Dinge, die wir unbedingt noch tun wollen, bevor wir das Zeitliche segnen. „Wie will ich gelebt haben?“ Das ist die zentrale Frage und wenn ich es weiß, sollte ich spätestens morgen damit anfangen, etwas zu ändern, wenn es nötig ist.

Und so gingen die Teilnehmer nach acht Stunden erschöpft, aber motiviert mit einem Maßnahmeplan nach Hause. Dass dieser der Kursleiterin nach erfolgtem Abhaken zuzuschicken sei, wurde mit Heiterkeit aufgenommen.

Für ein Folgeseminar wünschten sich mehrere Teilnehmer eine Vertiefung der Übungen und einen Austausch über das Geschriebene, um die Reflexion noch zu verstärken. Jetzt denken wir darüber nach, ob wir einen psychologisch erfahrenen Meditationslehrer hinzu ziehen sollen.

Monika Ziegler.

Eine Antwort auf Bericht vom Schreibseminar am 24. Januar 2015

  • Liebe Monika,

    zwar war es bei diesem besonderen Schreibseminar nicht vorgesehen, unsere Texte aus den meist sehr persönlichen Übungen vorzulesen, aber bei der „Wie bin ich“ Übung fand ich meinen daraus entstehenden zweisprachigen Text so interessant, dass ich nichts dagegen hätte, ihn in diesem Kommentar zu veröffentlichen.

    Die Anleitung zur Übung war:
    „Stellen Sie sich vor, ein wildfremder Mensch begleitet Sie einen Tag ohne Ihr Wissen, unsichtbar. Was schreibt er auf?“

    Die Texte des Beobachters der Reihe nach (mitten drin kam ganz spontan ein, nicht Spur-, sondern Sprach-Wechsel):
    ————————————–
    „Stehe doch endlich mal auf!“
    „Das braucht er nicht.“
    „Warum macht er das jetzt? Es gibt wichtigere Dinge zu tun!“
    „Er sollte sich um das kümmern, was ihn wirklich bewegt, statt seine Zeit zu vertrödeln.“
    „He really needs to improve his German – especially pronunciation.“
    „He needs to get ready to go, otherwise he’ll surely miss his train.“
    „This guy is really lucky to have such an easy life – it’s a pity he doesn’t make more out of it.“
    „That’s pretty funny!“
    „Brush your teeth!“
    ————————————–

    Während die deutschen Bemerkungen eher ermahnend, beurteilend und fast herablassend wirken, haben die englischen eher einen empfehlenden bis lustigen Ton, was den (unter)bewussten Konflikt der Kulturen in mir widerspiegelt. Nichtsdestotrotz sind meine Antagonisten egal welcher Sprache einer Meinung: Der Typ ist einfach nicht auf dem richtigen Weg!

    Danke für das Seminar!
    Michael