Wollen Sie über neue Beiträge und Termine automatisch benachrichtigt werden? Dann tragen Sie Ihre Email-Adresse unten ein!
Name
E-Mail-Adresse*

Dieser Tage war ich, wie immer mal wieder im Winter, ganz oben. Um dem Himmel ein Stückchen näher zu sein mitten in einem Traum aus weiss. Das Blau des Himmels dekoriert ganz wunderbar die Wände, und glitzernde Schneekristalle setzen Akzente. Wie herrlich ist es hier. Und all die bunten Pünktchen, die sich hier tummeln, passen perfekt ins Bild. Entweder schweben sie sitzend durch die Luft oder oder gleiten auf dem Grund des weissen Traumes. Ein solches Pünktchen war ich auch einmal. Und heute, da ich hier sitze und nur noch zuschauen darf, bricht es mir beinahe das Herz. So sehr ich die Landschaft geniesse und von der klaren kalten Luft aufsauge, so sticht es doch jedes Mal in mir. Dieser blöde Unfalltag. Ein Tag der so vieles verändert hat. Und der solche deutlichen Vorzeichen hatte. Was dieser Tag mit sich bringen sollte, konnte ich nicht ahnen. Oder doch? Nun ja, das Aufstehen und die Vorbereitungen auf einen schönen Skiausflug liefen wie gewohnt. Im Auto sitzend, ging ich in Gedanken alles durch…etwas fehlt doch. Ach nein, wir haben die Skischuhe vergessen ! Zum Glück oder zum Unglück fuhren wir an der nächsten Ausfahrt raus und wieder zurück. Kurze Gedanken beschlichen mich…sollten wir doch etwas anderes machen heute? Fix wurden die Stiefel gepackt und ins Auto gestellt. Die Vorfreude war wohl so groß und die Warnung, wie ich sie heute nenne, so schnell weggewischt und ausgeblendet. Sonst war ja auch alles wie immer. Parkplatz, Schuhe wechseln, Skipass und ab in die Gondel nach oben. Der weisse Traum, mein weisser Traum wartete. Und los gings. Das Gefühl stimmte und die kleine Panne vom Morgen war ganz schnell vergessen. Was für ein schöner Tag ! Bergab glitten wir, bergauf schwebten wir. Nichts trübte die Lust und die Laune. Nach der verdienten gemütlichen Pause auf einer Hütte am frühen Mittag ging es weiter. Bis zu einem Schneehaufen unter meinem linken Ski. Der hob mich aus, verdrehte mein Knie, lies es laut knallen in meinem Ohr und schmetterte mich auf den Boden. Ich sah mich in Zeitlupe fallen und mein Kopf machte mir eine klare Ansage „das wars“. Unmittelbar darauf wurde ich mit einem starken Schmerz in meinem Bein konfrontiert. Und die Verbindung zu meinem Unterschenkel die war, ja, einfach abgerissen. Wie so vieles, das abriss. Auf eine Operation folgte die zweite und fast endlose Stunden in der Physiotherapie. Was für eine Ironie. Sogar der Skistiefel wurde zeitweilig eingesetzt für therapeutische Hilfe. Aber tragen sollte ich ihn nicht mehr.

Das Knie heilte schlecht. Vorbei die ausgedehnten Wandertouren auf den Wendelstein und sonstwo hinauf und hinunter. Keine Stadtläufe, kein Halbmarathon mehr. Kein gedankenloses Herumspringen, treppauf treppab. Das wollte so gar nicht zu mir passen. Wie sollte das wieder werden? Wie konnten wir wieder eins werden, mein Knie und ich? Fürs erste undenkbar. Wir lernten uns neu kennen. Das war dauerte lang und war schwierig. Heute sind die Wandertouren kürzer, die Laufschuhe sind aussortiert. Ein Versuch, wieder Ski zu fahren scheiterte kläglich. Aussortiert habe ich meine Ausrüstung allerdings nie. Der Schmerz in der Seele war viel größer als der im Knie.

Und doch zieht es mich immer im Winter hinauf. Und ich träume davon, wieder ein Pünktchen zu sein, mitten im weissen Traum..

Sandra Schwabe-Späth