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Mach ich´s, mach ich´s nicht..kannst du…kannst du´s nicht…was wenn. Ach nein, erst mal der Umzug, und ein Einkommen weniger, und ob ich überhaupt so schnell wieder eine neue Arbeit finde…doch, ich machs. Heute. Kein wenn, kein aber. Kein Aufschub.

Kurz nach 5 ist es, als ich entschlossen die Bettdecke zurückschlage und auf leisen Sohlen ins Arbeitszimmer tappe. Doch, ich mach,´s Und zwar jetzt. Während ich mich vor dem Schreibtisch verbeuge, um den roten Schalter mit kurzen lauten Klick zu kippen, damit alles zum Laufen kommt, fängt es im Kopf an zu summen. Eine leise, aber fröhliche Melodie schwingt sich durch mein Gemüt. Ich lasse mich in meinen Arbeitssessel fallen. Ich drücke den Knopf, damit der PC hochfährt und losbrummt. Wenn es wie jetzt so früh am Tag noch still ist, kann man das Geräusch ganz genau hören. Um mich abzulenken, fällt mein Blick durchs Fenster auf die Dächer über München. Ein neuer Tag im Mai kündigt sich an, noch ein wenig zögerlich, aber man kann ahnen, dass die Sonne bald die Dächer über München küssen wird… Und ich werde meine Kündigung schreiben. Nicht bald, nicht morgen, nicht vielleicht, JETZT. Nach tiefem Durchatmen öffne ich das WORD Programm und tippe los.

Sehr geehrte Frau…mein Herz klopft und mit jedem Wort, dass ich schreibe, wird es stärker. Und es fährt mir in den Magen. „Das will ich heute abgeben ?“, frage ich in mich hinein. „Ja“ antwortet es aus mir heraus. Gut. Nochmal höre ich ein „Ja.“ Der Drucken – Button scheint mir grösser zu sein als sonst und ohne zögern klicke ich. Der Drucker rasselt los, und ich höre jedes einzelne Ritsch und Ratsch des Druckvorgangs. Etwas zittrig nehme ich die bedruckten Blätter aus dem Fach heraus. Nur nicht knittern, denke ich, denn vom Leinenpapier habe ich nicht mehr viel da. Gutes Papier für wichtige Briefe, ist meine Devise. Und der Brief heute, der ist wichtig. Nicht nur für jetzt. Aus der Schublade krame ich noch einen passenden Umschlag hervor. Ich nehme meinen Füller und unterschreibe. Schönes Königsblau auf weissem Leinenpapier, das macht was her. Das Herzklopfen und der Stoss in den Magen kommen wieder, als ich das Papier ordnungsgemäss falte und in den Umschlag schiebe.

Das Frischmachen verläuft wie von selbst, und die Melodie von vorhin begleitet mich dabei. Die Gesichter meiner Chefin und meiner Kollegen tauchen auf und wieder ab. Ich höre ein paar Wortfetzen, die mich überreden sollen, nicht zu gehen. Und ich sehe mein Gesicht, mit entschlossener Mine und überzeugtem Ausdruck und einem Lächeln. Es bleibt dabei.

Als ich meine Tasche für die Arbeit packe, kommt der Umschlag zuletzt hinein. Ganz sorgfältig platziert ist er, so dass er weder herausfallen noch verknicken kann, beinahe, als wäre er zerbrechlich.

Die braune schwere Haustür fällt hinter mir ins Schloss. Ich atme die milde Frühlingsluft ein. Mein Herz und mein Bauch melden sich, als wollten sie mir sagen „na endlich“.

Auf dem Weg zur U-Bahn sehe ich die Menschen, die Tag für Tag neben mir fast gebückt die grau marmorierten Platten des Gehwegs abnützen. Heute aber ist mein Gang leicht und aufrecht…

 

Sandra Schwabe-Späth