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„Manchmal ist es die Angst, Dinge zu tun, die man gerne machen würde“ … Angst vor dem Scheitern, auch Angst vor dem Erfolg vielleicht, und vor allem die Angst vor dem Anfangen, und wie es dann weiter geht, Angst vor dem Ungewissen… Diese Gedanken begleiteten die Teilnehmer durch das gestrige Treffen, an dem rege diskutiert wurde, wie man einer solchen Situation begegnen und aus ihr heraus finden kann.

Die Angst vorm Loslegen macht sich beispielsweise breit, wenn man sich einerseits einem zeitlichen Handlungsdruck ausgesetzt sieht, sich andererseits jedoch noch nicht „bereit“ fühlt. Dann, so wurde angeregt, wäre es hilfreich, die Ziele vorerst zwei Etagen tiefer zu hängen, damit der Berg nicht mehr ganz so drückend und unerklimmbar erscheint.

Sich gut erreichbare Ziele und eigene Termine zu setzen, den Berg gewissermassen in Etappen erklimmen, dem selbst gesteckten Zeitplan zu folgen und dabei dennoch gelassen bleiben, das war der Tenor.

Wenn man den Ist-Zustand analysiere, konzentriere man sich allzu oft auf die vermeintlichen Stärken und verliere darüber hinaus viel Energie und auch schöpferische Kraft, und damit den Mut zu neuen Ideen und Visionen. Eine Pause einzulegen, sich eine Auszeit zu nehmen sei wichtig, um wieder zu sich selbst zu finden, sich neu kennenzulernen, um schlussendlich herauszufinden, was man eigentlich im Leben erreichen möchte.

Vieles ist verschüttet, daher hilft es, gut in sich hineinzuhorchen und dort nach vergessenen und blockierten Leidenschaften zu suchen, und seien sie so profan wie das Backen von Plätzchen. Kraft und Kreativität spielerisch neugierig wiederzubeleben, ist erforderlich auf der Suche nach dem neuen Weg und Ziel.

„Enneagramm“ heißt eine der Methoden, seine Schwächen und Fehler, aber auch verborgene Wünsche, längst vergessene Vorlieben und Neigungen besser zu erkennen und diese auch anzuerkennen und in die Zukunftsplanung einfließen zu lassen. Zwei der Neuzugänge am Stammtisch hatten bereits Erfahrungen zu diesem Thema, welches sich mit der Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Wertesystem eines Menschen beschäftigt, sein Temperament und seine Leidenschaften, Ansichten und Einstellungen analysiert, und die daraus resultierenden Verhaltensweisen beleuchtet.

Eine „Rote Kiste“, in der sie ihre Ideen sammelt, hat eine Spurwechslerin vorgestellt als Gefäß für die wiedergefundenen Vorlieben und Sammlung von Dingen die Spaß machten, bevor die Erschöpfung in der Tretmühle eines zunehmend ungeliebten Jobs ihre Fantasie und Fähigkeit zum Geniessen von einfachen Handlungen versiegen ließ. „Ich fühlte mich wie ein leeres Gefäß und musste mich erst wieder anfüllen mit all den Dingen, die ich verloren und vergessen hatte“, sagte eine andere Teilnehmerin. Die Frage nach den Dingen, die früher einmal Spass gemacht hatten, die man mit Leidenschaft und Vergnügen getan hatte, war allgegenwärtig bei dieser Thematik, geführt von der Einsicht, dass vieles in der Kindheit bereits vorhanden war und jetzt wiederbelebt werden kann.

Auch bei einer neuen Spurwechslerin war es ein Thema, herauszufinden, wohin die Reise nach dem anstehenden Wechsel gehen würde. Ideen sind viele da, aber es ist nicht so einfach sich zu fokussieren, zumal wenn die zentrale Sorge dem nächsten Schritt gilt: Kündigen wenn man innerlich längst gekündigt hat, und das Maß der Erträglichkeit übervoll ist, oder doch noch durchhalten und Abwarten, bis die Ideen für die Zukunft konkret und umsetzbar sind? Die Angst vor der ungewissen finanziellen Zukunft ist ebenso groß wie der Abscheu vor den alten Mechanismen im Beruf, hinter denen man nicht mehr stehen kann.

Sehr frei nach Kleist erlebten wir hier das gemeinsame Verfertigen der Gedanken beim Sprechen: Es hatten alle Spurwechsler hilfreiche Vorschläge für das Lösen der schwierigen Situation und auch konkrete Soforthilfe wurde angeboten in Form einer Entspannungsmassage. Denn nur wer sich in Ruhe auf sich besinnen kann, könne sein Handeln wieder selbst in die Hand nehmen. Man müsse die Erschöpfung verlassen, um die Berufung zu finden.

Mit großer Erleichterung berichtete eine Spurwechslerin von dem Gespräch mit der Personalabteilung, wo man ihr die Möglichkeit eines Sabbatjahres anbot, statt dass sie ihre Arbeitszeit drastisch reduzieren oder kündigen müsse. Seither arbeitet sie zwar mit unvermindertem Pflichtbewusstsein, kann aber doch schon mehr loslassen und sich auf die Auszeit freuen, in der sie herausfinden möchte, wie es danach weiter geht. Dazu gehört ebenfalls, herauszufinden, warum sie sich eine so lange Zeit 300%ig hat einspannen lassen.

Wie mit dem Thema des Findens einer neuen Perspektive umgegangen wird, ist sehr unterschiedlich. „Ganzheitlich“ war beispielsweise das Wort, dass eine Teilnehmerin in den Computer getippt hatte, als sie auf der Suche nach ihrer Neuorientierung war. Es war das Schlagwort, das sie am wichtigsten fand, um mit ihrem ehemaligen Berufsleben abzuschließen und die eigene Berufung zu finden. Die Suchmaschine leitete sie zu einer Ausbildung als Wellness-Trainerin, und heute ist sie zufrieden mit ihrem Spurwechsel.

Immer wieder tauchte in den Gesprächen auf, dass nach vielen Jahren der Arbeit in theoretischen Berufen die Arbeit mit den Händen etwas Sinnvolles und sehr Befriedigendes bedeutet.

Am Ende des Abends waren sich alle, inklusive der drei Neuzugänge, einig: Das Netzwerk unterstützt, man fühlt sich als Teil einer „Gemeinschaft“ und nicht allein gelassen auf seinem Wechsel der Lebensspur.

In den Gesprächen erlebt jeder neue Denkanstöße, Erfahrungen werden ausgetauscht und auch neue Visionen geboren.

Der Stammtisch soll ab September jeden letzten Mittwoch im Monat stattfinden. Im August wird pausiert.

Ines Wagner