Wollen Sie über neue Beiträge und Termine automatisch benachrichtigt werden? Dann tragen Sie Ihre Email-Adresse unten ein!
Name
E-Mail-Adresse*

„Die Antwort unserer Zeit auf Angst und Gewalt in der Religion“ hatte der evangelische Pfarrer seinen Vortrag genannt. Er war im Zusammenhang mit einer Ausstellung von Bildern von Joss Bachhofer und Skulpturen von Georg Brinkies entstanden. „O my god“ hatte der Maler seine Bilder genannt, in denen er bekannte Kunstwerke der Vergangenheit mit blutigen Darstellungen neu bearbeitet hatte.

Ursprünglich sei Religion entstanden, um Traumata der Menschen zu bewältigen, sagte Matthias Striebeck. Dann aber wurde die Religion institutionalisiert, Schamanen und Priester erschienen und es wurden Kultstätten errichtet. Machtstrukturen entstanden, die Menschen schufen Regeln fürs Zusammenleben. Die Mächtigen erkannten, dass man Menschen klein halten kann, wenn sie Angst haben.

Das sei mit der Struktur unseres Gehirns erklärbar. Unser Großhirn sei zum Denken und Fühlen da, aber dahinter liege das ältere, das Echsenhirn. Und dieses, auch den Tieren eigene Hirn reagiere bei Angst und Gefahr mit Weglaufen, Angreifen oder Erstarren. Insbesondere letzteres erzeuge ein leicht lenkbare Masse.

Man erkannte aber auch, dass nicht nur direkte Gefahr wirkt, sondern auch die bildliche Darstellung. Neue Untersuchungen zeigen, dass Menschen bei dem Bild eines Frosches mit dem Großhirn denken, wie nett oder Froschkönig, sollte man küssen. Zeigt man aber das Bild eine Schlange, wird das Großhirn durch das Echsenhirn ausgeschaltet, Angst macht sich breit, Denken findet zunächst nicht statt.

Unsere christlichen Kirchen, so Striebeck, sind Orte von Gewaltdarstellungen, wir sehen Märtyrer, Kreuzigungen, usw. Eigentlich müssten Kinder draußen bleiben, ebenso wie sie Filme mit Gewaltdarstellungen nicht sehen dürfen.

„Religiöse Orte sind nicht reinigend, entlastend, sondern werden zu traumatischen Erfahrungen“, sagte Matthias Striebeck, damit verkehre sich der Sinn der Religion ins Gegenteil.

Die moderne Gehirnforschung könne uns aber aus dem Dilemma helfen, denn es sei erwiesen, dass die Schrift durch das Großhirn und nicht durch das Echsenhirn wahrgenommen werde. Also lautet seine Botschaft: Esst vom Baum der Erkenntnis, lest und macht euch eure eigenen Gedanken zum Thema Religion. Denn diese ist immer noch dazu da, Traumata zu überwinden.

 

Monika Gierth