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Mit einer Aneinanderreihung von Fragesätzen zur Selbstbefragung hatte eine Teilnehmerin den eher wissenschaftlichen Part übernommen. Sie unterglidert den Spurwechsel in den klassischen, also den der gezielten Eigenveränderung, weil die äußeren Umstände nicht mehr zufriedenstellend sind. Den visionären Spurwechsel charakterisiert als denjenigen, wo eine spontane Idee umgesetzt, der Mut aufgebracht wird, einen neuen Weg einzuschlagen. Und dann gibt es den schicksalhaften Spurwechsel, bei dem duch Krankheit, Unfall, Tod, Verlust eine grundlegende Neuorientierung erforderlich wird.

In jedem Fall aber muss die Frage der Motivation beantwortet werden, also warum und durch wen die Veränderung eingeleitet wird. Und wenn die Veränderungen scheitern? Was sind die Voraussetzungen für den Prozess? Wie fälle ich Entscheidungen, rational oder intuitiv? Wie baue ich Muster ab? Wie komme ich in eine Bebachterrolle, also zu Abstand und was beeinflusst meine Entscheidung?

Der gesamte Text wird wie die anderen auch zur Selbsterforschung unter „Schreibwerkstatt“ publiziert. Ein zweite Teilnehmerin hatte den Spurwechsel eines japanischen Freundes nacherzählt. Eines Mannes, der zu den sogenannten „Salery men“ gehörte, schwarzer Anzug, jeden Morgen in die U-Bahn, wie dunkle Ameisen, leere Einheitsgesichter, hohe Selbstmordrate. Ist Identität nur noch das Anhängsel am Mobiltelefon? Der Freund aber brach aus, kündigte und fand eine neue Lebensqualität.

Metaphorisch hatte eine weitere Schreiberin den Spurwechsel bearbeitet. Sie fährt auf der Autobahn und muss bei einem Stau entscheiden, ob sie in ihrer Spur bleibt oder wechselt. Dabei sinniert sie genrell: Lohnt sich der Spurwechsel? Auf der anderen Spur geht es auch nicht voran. Und neben der Spur, neben der Autobahn warten so viel schöne Dinge. Andererseits gibt es die Leitplanken, Freunde, Familie. Die Autobahn des Lebens, so resümiert sie, ist halt so, mal schnell, mal Stau.

Ihren Wechsel aus der DDR in den Westen beschrieb eine vierte Schreiberin. Einen Spurwechsel, als sie 14 Jahre alt war, die Freude, als nach drei Jahren Wartezeit nach dem Ausreiseantrag endlich die Genehmigung erteilt wurde, gemischt mit Trauer, Hektik und Panik. Es sei ihr schönster und schlimmster Tag im Leben gewesen, stellt sie fest. Und bereut hat sie es keinen Tag, auch wenn ihr beim Klassentreffen in der alten Heimat gesagt wurde: Ihr wart schon immer was besseres. Nein, sagt sie, nur anders.

In der Diskussion wurde der Wunsch laut, dass sich die aktiven Spurwechsel in einem geschützten Forum auf der Website austauschen können.

Außerdem entschieden sich die Teilnehmer, künftig den Schwerpunkt nicht mehr nur auf den Inhalt der Texte, sondern auch auf die Form zu legen. Als nächstes sollen Gedichte geschrieben werden. Termin zum Lesen und Austausch: 7. Mai um 19.30 Uhr.

 

MG