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Aber zunächst gab es einen philosophischen Exkurs. Doris Bigos, die eine Fortbildung macht zum Thema „Philosophische Gespräche führen“, gab einen Einblick in ihre Arbeit. Das Thema „Identität“. Diese Gespräche dienen dazu, die eigene Sicht darzustellen, aber auch den Horizont zu erweitern und einen Perspektivwechsel vorzunehmen, indem man wertfrei die andere Meinung anhört.

Was ist Identität? Hat es etwas mit Heimat zu tun, mit Ort oder ist es etwas tief in mir Verborgenes? „Wie eine ausgeschmierte Backform ist das in mir Verborgene“, sagte ein Teilnehmer. Ist es also eine innere Quelle, die ich frei legen muss? Verändert sich auch die Identität durch Reife? Wie ist das, wenn ich durch Trennungen meine Identität verliere und sie notdürftig wieder zusammensetzen muss?

Haben Kinder bereits bei der Geburt ihre Identität oder wird sie erst durch Umgebung und Erziehung geformt? Hat Identität etwas mit dem Körper zu tun? Ändert sie sich im Alter oder nach Unfällen? Letztlich fanden alle 11 Teilnehmer zum Konsens: Identität hat etwas mit meinem Tun zu tun, mit dem was ich gern mache und wo ich mich zum Ausdruck bringen kann.

Und beim Tun, bei der täglichen Arbeit haben immer mehr Menschen Probleme. Sie fühlen sich ausgenutzt, ausgebrannt, ihre Gesundheit leidet. Sie überlegen, ob sie einen Spurwechsel wagen sollen. Mit dem Projekt www.spur-wechseln.com hat der Verein Kulturvision diese Zeiterscheinung erkannt. Seit einem Jahr erzählen wir Geschichten von erfolgreichen Spurwechslern, um anderen Menschen Mut zu machen.

Diese Menschen, die noch unterwegs sind zu ihrer ureigenen Spur, haben sich in der Schreibwerkstatt und in einem Stammtisch zusammen gefunden. Grund dafür ist, dass er Austausch mit anderen beim Reden zielführend sein kann, ganz abgesehen auch von praktischen Tipps, die weiter gegeben werden.

Der zweite Weg ist das Schreiben. Nach dem Seminar „Spurwechsel schreiben“ im vergangenen Herbst gründete sich die Werkstatt. Zwei Teilnehmerinnen lebten wochenlang in Angst und Orientierungslosigkeit lebten, weil sie im Unternehmen zunehmend litten. Eine hatte im Januar einen berührenden Text geschrieben und von ihren Problemen berichtet.

Ihr neuer Text sprühte vor Heiterkeit, denn sie fand einen Weg. Auch die andere Schreiberin las einen Beitrag, der ihren Wandel von Hoffnungslosigkeit zu Freude und Neugier über das Neue dokumentierte und ebenfalls voller Humor war.

Humor und Wehmut sprach auch aus dem Text einer Teilnehmerin, deren Spurwechsel von der wilden Skiläuferin zur Zuschauerin verlief. Ein Unfall verbietet ihr heute den Sport und sie muss den „Pünktchen am Hang“ von unten zusehen. Vom Wechsel von der mit Harmoniesucht einhergehenden kleinen Lüge zur unbequemen Wahrheit erzählte ein weiterer Beitrag, denn auch innere Spurwechsel sind Thema dieser Treffen.

In Bälde werden die Beiträge auf der Website veröffentlicht.

Monika Gierth