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Die Lüge ist ein Teil der heutigen Kultur. Und zwar nicht nur im Großen, sondern ebenso im Kleinen. Und diese harmlosen Notlügen haben gravierende Folgen.

Diese Auffassung vertrat Michael Harris beim Draxlhamer Salon, in dem er über „Wahrheit und Wahrhaftigkeit“ referierte. Der aus Amerika stammende Chemiker und IT-Spezialist schreibt ein Buch „Die schreckliche Wahrheit“ und trug den etwa 30 Interessierten seine Thesen vor, die intensiv diskutiert wurden.

Die Entwicklungen in den vergangenen Jahren in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien sehr bedenklich, sagte er und brachte aktuelle Beispiele aus der ganzen Welt bis hinein in den Landkreis Miesbach. Auch durch das digitale Zeitalter würden Tatsachen verfälscht, Bilder und Videos frisiert. Durch die Anonymität des Internets übernehme keiner mehr die Verantwortung und das sickere durch die gesamte Gesellschaft.

„Warum verpflichten wir uns nicht der Wahrheit?“ fragte er. Von Augustinus bis Nietzsche hätten die großen Denker der Menschheit die Lüge als Sünde und Tod der Seele gebrandmarkt. Männer lügen zumeist, wenn es um die eigene Person geht, Frauen lügen eher, um andere zu schützen. Kinder lügen aus Angst vor Strafe.

Man müsse im ganz Kleinen mit der Wahrheit beginnen, denn die oft benutzten Notlügen seien am schlimmsten, da sie zur Gewohnheit werden und die Fähigkeit schwächen, mit der Wahrheit umzugehen. Beziehungen werden zerstört, Vertrauen wird missbraucht. Es gelte jetzt, den Mut zu haben, Wahrheit zu bekennen.

Und das solle man im geschützten Raum beginnen, nicht verletzend, sich Zeit nehmen, sensibel und mit Humor vorgetragen, könne jede Wahrheit mitgeteilt werden. Dabei solle man auch immer wieder das innere Kind befragen, denn bekanntermaßen sagten kleine Kinder die Wahrheit.

In der Diskussion kamen viele Aspekte zusammen. Zum einen zum Thema persönlicher Umgang mit der Wahrheit. Was ist meine Motivation, wenn ich die Wahrheit sage oder lüge. Will ich geliebt werden oder sage ich die Wahrheit? Schließen sich diese beiden Dinge aus? Ist es hilfreich, immer die Wahrheit zu sagen oder ist es manchmal besser, zu schweigen?

Hat jeder seine eigene Wahrheit oder gibt es eine objektive, eine absolute Wahrheit? Kann man diese in der Begegnung aus vielen persönlichen Wahrheiten zusammensetzen?

Ein weiteres Thema war die Wahrheit im Großen. Die Lügen im 20. Jahrhundert vom Beginn des 2. Weltkrieges über den Vietnamkrieg bis hin zum Irakkrieg, immer wurden Kriege mit Lügen legitimiert. Was wollen wir gegen diese Lügen im globalen Maßstab unternehmen? Warum können Politik und Wirtschaft nicht ohne Lügen auskommen? Immer wieder sind es Machtbestrebungen, die zu Lügen führen. Und die Verantwortlichen werden kaum zur Rechenschaft gezogen.

Was also können wir in diesem Kreis für die Wahrheit eigentlich tun?

Michael Harris betonte, dass man die Wahrheit nicht als Feind betrachten dürfe, dass man die Wahrheit üben müsse und dass wir für unsere Umgebung, insbesondere für die nachfolgende Generation als Vorbilder Zeichen setzen müssen. Das ist wenig und zugleich viel.

Monika Gierth

Eine Antwort auf Im Draxlhamer Salon: Vortrag Michael Harris zur „Wahrheit“ am 11.2.2014

  • Eine ausgezeichnete Zusammenfassung des Vortrags und der darauffolgenden Diskussion … und das ist die Wahrheit!

    Vielen lieben Dank, Monika.