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Weil ich einfallslos war“, antwortet Doris Bigos aus Bad Tölz auf die Frage, warum sie denn eine Banklehre gemacht habe, wenn sie im Beruf unglücklich war. In der Familie habe es Vorstellungen gegeben, was ein guter Beruf sei und der des Bankers gehörte unbedingt dazu. Während ihrer Realschulzeit im Kloster Hohenburg hatte sie viele Jobs gemacht, alle taugten ihr und so meinte sie, würde auch diese Berufsausbildung funktionieren. Tat sie aber nicht. Trotzdem zog sie die Lehre durch und fühlte sich fehl am Platze.

Bald nach Abschluss fand sie ein Angebot: Au-pair in den USA, wo sie ihre Englischkenntnisse verbessern konnte. Nach Deutschland zurück gekehrt, jobbte sie ein Jahr als Sekretärin. Und dann startete sie durch. Sie legte an der Fachoberschule die Hochschulreife ab. Da sie ihren Unterhalt selbst verdienen musste, arbeitete sie im Gartenbaubetrieb ihres späteren Mannes und merkte, dass ihr diese Arbeit zusagte. „Es hat mich gereizt, etwas Schönes, Bleibendes, Wertvolles zu gestalten“, erzählt sie und studierte Landespflege, heute heißt das Landschaftsarchitektur.

Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums begann Doris Bigos bei einem Landschaftsarchitekten zu arbeiten. Sie erzählt: „Die Atmosphäre im Büro war schlecht, ich wurde gemobbt.“ Eine leitende Angestellte duldete keine anderen Frauen neben sich. Sie wurde nach der Probezeit nicht übernommen. So arbeitete sie wieder im Betrieb ihres Mannes mit und begann ein Zusatzstudium bei den Jesuiten in München zur Erwachsenenpädagogik. Alles, was ihre Neugier an Wissen befriedigte, lernte sie: Philosophie, Sozialethik, Geschichte, Moderation und anderes.

Im 6. Monat schwanger, bewarb sie sich beim Münchner Umweltzentrum e.V. Ihre Kombination Landespflege und Pädagogik kam gut an, sie erhielt den Job und konnte sich in die Planung des neuen Hauses für den Verein einbringen. „Ich habe noch in den Wehen an den Plänen gezeichnet“, lacht sie. Ihr Mann habe diese dann nach der Geburt von Sohn Aaron nach München gebracht. Schon acht Wochen nach der Entbindung saß die junge Mutter wieder in ihrem Büro. Sie erzählt mit Freude von der Arbeit der Einrichtung, die sich bevorzugt der ökologischen Bewusstseinsbildung von Kindern widmet. Da gibt es Schulklassenprogramme, Familienprogramme, man kann ökologische Kindergeburtstage feiern. Immer werden Umweltinhalte spielerisch vermittelt. Doris Bigos war insbesondere mit Bürgerbeteiligungsprojekten befasst. Eine ihrer Aufgabe bestand darin, den angrenzenden ehemaligen Kartoffelacker in ein innerstädtisches Naherholungsgebiet umzuwandeln.

Das machte Spaß und obwohl inzwischen Tochter Hellena geboren war, arbeitete Doris Bigos insgesamt 11 Jahre hauptamtlich und zwei Jahre ehrenamtlich am Umweltzentrum in München. Dann aber merkte sie, dass ihre Kinder sie brauchen. Aaron sollte das Gymnasium besuchen und sie wollte für ihre Kinder da sein. Sie sagt: „Ich brauchte einen Job in Tölz, egal welchen.“ Durch Zufall und über eine Freundin kam sie an ihre ehemalige Schule, die FOS, als Quereinsteigerin zurück und übernahm Ethikunterricht. „Es war hart“, gibt sie zu, denn trotz des Zusatzstudiums musste sie sich erst in den Lehrplan einarbeiten und auch ihre pädagogischen Kompetenzen finden. „Ich wollte von den Schülern gemocht werden, das war die falsche Entscheidung“, sagt sie. Schon in den ersten Stunden müsse man klar vorgeben, wo es lang geht. Aber im dritten Jahr sei es besser gegangen. „Ich habe in dieser Zeit wahrscheinlich mehr gelernt als die Schüler“, lächelt sie. Sowohl inhaltlich und auch wie man mit Menschen umgehe. Eine große Hilfe sei das Kollegium gewesen, das ihr immer geholfen habe, sie habe hospitieren dürfen und man habe sie auch in der Verwaltungsarbeit angeleitet. Und dann, als es gerade gut lief, kam das Aus. Das Kultusministerium verabschiedete einen Erlass, der es Quereinsteigern nur noch drei Jahre erlaubte, zu unterrichten.

Der von der Schule unterstützte Einspruch half nichts, sie musste gehen. Der Ethikunterricht fiel aus, später wurde ein pensionierter Lehrer zurück geholt. Doris Bigos erinnert sich noch sehr gut: „Es war ein Donnerstag, als die Aussage kam, es geht nicht.“

Sie verließ die Schule sehr ungern, fand aber schnell, wieder über die Vermittlung eine Freundin, eine freiberufliche Anstellung bei Kern Business Language Training, einem Unternehmen, das für Roche in Penzberg Englischkurse anbietet. Das mache schon Spaß, meint sie, aber es ist definitiv nicht ihre Traumstellung.

Schon während ihrer Zeit an der FOS hatte die Tölzerin eine weitere Ausbildung begonnen. Sie war eigentlich für den Ethikunterricht geplant. Seit zwei Jahren nimmt sie an Fortbildungsmodulen der Akademie: Kinder philosophieren in München teil. Hier lernt sie, wie man philosophische Gespräche führt. Es gehe nicht darum zu wissen, welcher Philosoph wann was gesagt habe, sondern es gehe darum, im Gespräch den eigenen Horizont zu erweitern, erklärt sie die Intention. Dabei nehme man sich ein Thema vor und versuche wertfrei den Gedanken der anderen Teilnehmer zuzuhören und seine eigenen Gedanken einzubringen. „Hier darf jeder seine Haltung haben und keiner versucht den anderen zwangszuüberzeugen“, sagt Doris Bigos.

Einmal habe sie ein Gespräch mit den Absolventen der 13. Klasse organisiert, in dem es um die Berufsfindung ging. „Die Gesprächsleitung der Akademie stellte solche Fragen wie, wie will ich arbeiten, in welchem Umfeld, welche Vorstellungen habe ich, oder sind es nur die meiner Eltern“, erklärt Doris Bigos. Ein Mädchen sagte am Ende: „Jetzt lasse ich meine Zukunftsangst hier.“ Das habe sie so berührt, dass sie wusste, genau das will ich machen: Philosophische Gesprächskreise mit Jugendlichen.

Und noch etwas ist auf ihre Initiative an der FOS eingeführt worden: das Projekt der Kripo München „pack ma’s“, in dem es um Gewaltprävention, Mobbing, usw. geht. Inzwischen ist schon zum dritten Mal ein zweitägiger Kurs für alle 11. Klassen an der FOS gelaufen.

Am liebsten würde sie als freie Dozentin für die Akademie arbeiten, in Schulen gehen und mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Wenn dazu noch eine Festanstellung in Teilzeit als Landschaftsarchitektin käme, wäre das ideal. „Ich bin kein Einzelkämpfer, ich finde es so wichtig mit Kollegen zu arbeiten“, begründet sie. Zudem ist sie gern gestalterisch tätig, würde gern regionale Strukturen entwickeln, wie bei einer Landesgartenschau. Und wenn sie dann ab und zu noch ihre Englischkenntnisse einbringen kann, wie beispielsweise bei waldpädagogischen Führungen für Försterliesl für internationale Gruppen, dann ist sie mit all ihren Kompetenzen auf drei Spuren unterwegs.

Doris Bigos ist also noch auf der Suche. Ihr beruflicher Werdegang ist durch einige Hürden gekennzeichnet, die sie zumeist übersprang, aber zuweilen hadert sie auch, dann aber siegt ihr Pragmatismus. „Ich will nicht auf der Karriereleiter hochklettern dazu muss man sich auf etwas konzentrieren. Ich aber finde so vieles spannend und bin nicht Ziel gerichtet.“ Sie überlegt und sagt dann: „Ich möchte etwas Sinnvolles tun.“

Monika Gierth