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Über Risiko und Sicherheit in einer komplexen Welt referierte Rainer Sachs am 4. Dezember 2013 im Draxlhamer Salon.

Der promovierte Physiker forscht bei Munich Re, wie in der globalisierten Welt Risiken einzuschätzen sind. Dabei geht er neue Wege.

Früher rechnete man mit Statistiken und Wahrscheinlichkeiten jedes erwartbare Ereignis aus und münzte es in Versicherungsbeträge um. Heute weiß man, dass es zunehmend Unsicherheiten gibt, die nicht erfassbar sind. So legte der isländische Vulkan nicht nur tagelang den Flugverkehr lahm, er blockierte auch die Produktion von BMW, weil die Zulieferer nicht liefern konnten. Solche Ereignisse sind nicht planbar.

Zum anderen wird die Psychologie des Menschen in die Risikobewertung neuerdings einbezogen. Rainer Sachs erklärte am Beispiel eines Spiels: In einem Gefäß sind 19 999 weiße und eine schwarze Kugel. Wer die schwarze Kugel zieht, wird erschossen. Wer aus der Runde spielt mit? Keiner. Aber die Wahrscheinlichkeit, die schwarze Kugel zu ziehen, ist genauso groß, wie im Straßenverkehr ums Leben zu kommen, 1 : 20 000. Und nahezu jeder setzt sich ins Auto. Weil er glaubt, er habe es in der Hand und es treffe eh nur die anderen.

Der Referent zeigte an vielen Beispielen, wie der Mensch durch den geschickten Einsatz von Zahlen, zum Beispiel bei Preisen, manipulierbar wird in seinen Entscheidungen und die Zuhörer nickten aus eigener Erfahrung. So kauft der Durchschnittsbürger Dinge, die er gar nicht braucht, nur weil im Kombipaket ein günstiger Preis angeboten wird.

Für wichtige persönliche Entscheidungen, die das künftige Leben bestimmen, wie etwa Partner- oder Berufswahl, hatte der Risikoforscher ein klares Konzept: Für und Wider abwägen, alle notwendigen Informationen sammeln, dann aber die Ratio beiseite lassen, Abstand gewinnen und die Intuition entscheiden lassen. Das Bauchgefühl sei in solchen Fällen unschlagbar, denn hier wird alles noch einmal bewertet und mit vorhandenen Erfahrungen abgeglichen. Da die meisten aber im Unterbewusstsein angelegt sind, reicht der Verstand nicht aus. Ein hohes Lob also auf die Intuition.

Monika Gierth