Wollen Sie über neue Beiträge und Termine automatisch benachrichtigt werden? Dann tragen Sie Ihre Email-Adresse unten ein!
Name
E-Mail-Adresse*

Vor mir sitzt ein strahlender junger Mann. Zufrieden, ausgeglichen, er scheint auf der richtigen Spur angekommen zu sein. Als ich ihn vor fünf Jahren als Lehrerin an der BOS in Bad Tölz kennen lernte, war er eher in sich gekehrt, verfolgte aber zielstrebig und erfolgreich seinen Weg. Dieser begann vor 25 Jahren in Fischbachau. Ganz normal, wie er erzählt, Schule, Erstkommunion, Firmung. Aber in die Kirche sei er eher widerwillig gegangen. Das änderte sich, als Josef Rauffer begann ein Instrument zu spielen. Über das Akkordeon und Klavier fand er zur Orgel. „Es war Liebe auf den ersten Blick“ erzählt er. Da war er 14 und musste sehr schnell schon zur Messe spielen, weil Organistenmangel herrschte. Die Pfarrhaushälterin, selbst bewandert an der Orgel, stand neben dem Buben und sagte ihm, was er wann spielen müsse. So befasste er sich notgedrungen auch mit der Liturgie und war insbesondere von dem Mystischen, Geheimnisvollen fasziniert.

Rauffer_PassauAber ein Theologiestudium stand nicht zur Debatte, Josef besuchte die Hauptschule, es war klar, dass er, aus einer Handwerkerfamilie stammend, auch eine Ausbildung machte. Da er als guter Schüler den M-Zweig erfolgreich abschloss, konnte er eine Banklehre absolvieren. Und er tat es nicht ungern. Parallel dazu aber wurde er in den Pfarrgemeinderat gewählt und Organist von der Wallfahrtskirche Birkenstein. Die Begegnung mit Pilgern und Priestern aus der ganzen Welt habe ihn sehr beeindruckt, er zählt er. Noch mehr aber, als zum Weljugendtag 2005 Jugendliche aus Hongkong und Italien, die in Neuhaus einquartiert waren, die Fischbachauer Kirche besuchten und eine gemeinsame Andacht abhielten. „Das hat mich geprägt, zu beobachten wie der Glaube verbindet und wie diese Jugendlichen ihrem Glauben Ausdruck gaben“, sagt Josef Rauffer. Bei uns werde ja nicht gesungen, sondern gesäuselt, bei denen aber habe die Kirche gerockt.

Langsam wuchs in dem jungen Mann die Idee, den priesterlichen Weg einzuschlagen. Er besuchte im Münchner Priesterseminar die Informationstage und durfte dort eine Kontrastgesellschaft zur Bank erleben. „Die Banker lassen sich ihr Elitedenken anmerken, da ist ganz schnell jemand unten durch“, charakterisiert der Fischbachauer. Im Priesterseminar indes werde jeder angenommen, das Menschenbild sei ein anderes, das habe auch ihn sehr verändert.

Trotz eines lukrativen Angebots bei der Bank absolvierte der junge Banker zunächst den abendlichen Vorkurs an der BOS in Bad Tölz und danach die zwei Jahre zur Allgemeinen Hochschulreife. Außerhalb der Komfortzone sei es gewesen, formuliert er vorsichtig, aber für seine Persönlichkeitsentwicklung wichtig, denn er habe sehr viel Ausgrenzung beobachten müssen. Zudem vermisste er die humanistische Bildung. „Das ist für die Gesamtsicht der Dinge unendlich wichtig“, konstatiert er, „wir aber erziehen Fachidioten.“

Rauffer_Lektoratsbeauftragung2Jetzt ist er im vierten Jahr im Priesterseminar in München. Das Theologiestudium sei das letzte Studium Generale, denn man lerne Philosophie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Rhetorik, Ethik, Motivationstheorie neben den speziellen theologischen Fächern. Das Seminarleben ist für Josef Rauffer eine wichtige Grundlage für das spätere Leben, denn hier bauen sich die Seminaristen ein Netzwerk auf, das sie auch später trägt. In viereinhalb Jahren wird er voraussichtlich zum Priester geweiht. Wie er sich bei dem Gedanken fühle? Er überlegt und sagt: „Man darf nicht denken, dass man etwas besonderes wird.“ Für ihn sei es ein Weg zur persönlichen Heilwerdung, das bedeute, dass er sein Leben gemäß dem Willen Gottes gestalte und sein Werkzeug werde.

Ob er auch manchmal zweifle? Es gebe viele Anfechtungen von einem selbst, aber er habe seinen neuen Weg noch nie grundsätzlich in Frage gestellt. Natürlich frage er sich zuweilen, ob er zu hundert Prozent hinter allen Dingen stehen könne. Aber dabei sei hilfreich, dass auch die Professoren neue Interpretationen anbieten, schließlich wolle die Theologie keinen wissenschaftlichen Beweis für die Jungfrauengeburt liefern, sondern es gehe vielmehr um den Geist, der dahinterstehe.

Den Zölibat findet Josef Rauffer gut und richtig. Zum einen wolle er nicht wegen seines späteren Amtes eine Familie vernachlässigen, obwohl die Sehnsucht nach einer Partnerschaft und Kindern da sei. Zum anderen sieht er einen ehrlichen, besser noch einen freiwilligen Zölibat als Zeichen für die Welt, sein Leben anders zu leben.

Obwohl Josef Rauffer zunächst seine Zukunft in der Wissenschaft sah, werde ihm jetzt der Gedanke, Pfarrer zu werden, immer sympathischer, sagt er, denn Seelsorge liege ihm. Vielleicht für einige Zeit im Ausland, später aber wünsche er sich eine Stelle in einer Kleinstadt in Oberbayern, denn ganz aufs Land, nein, da fehle ihm die nötige Wirtshausmentalität.

Das Ziel in der Seelsorge ist für den Seminaristen, Menschen zu vermitteln, dass sie einzigartig sind und dass es jemanden gibt, der sie liebt. „Die Liebe Gottes, die nichts verlangt und alles gibt, ist eine tolle Erfahrung.“ Er sehe zunehmend, dass sich Menschen nach Transzendenz sehnen, dass sie sich als geliebtes Individuum erfahren möchten. Ihnen dabei zu helfen, ihnen die Berufung zu zeigen, die sie bisher nicht wahrgenommen haben, das sei für ihn der Sinn der Seelsorge. „Da gehört Gnade dazu, ich kann nur den Weg bereiten, sensibel machen,“ sagt Josef Rauffer strahlend.

Monika Gierth